13. Klausurtagung der Schulleitungen
Zum 13. Mal fand Anfang März die Klausurtagung der Schulleitungen im Hotel Park in Soltau statt. Mehr als 60 Schulleitungen aller Schulformen kamen auf Einladung des Heidekreises zusammen. Das Thema der diesjährigen Tagung, die von Bildungskoordinator Frank Seuberth vom Landkreis Heidekreis und Stefan Niemann von Sichtweise GmbH organisiert wurde: „Einfach lernen!“.
Langsam aber stetig kommt im Heidekreis an, was andernorts teils schon seit vielen Jahren praktiziert wird: Der Frontalunterricht, so wie ihn alle kennen, die sich damit aktuell beschäftigen, wird schrittweise abgelöst. Er passt nicht mehr oder passte vielleicht auch früher nicht: Kinder sind unterschiedlich, sie haben verschiedene Bedürfnisse und jedes hat sein eigenes Tempo. Doch wie damit umgehen? Wie alle anderen Probleme wie Mobbing, Lehrermangel und knappe Ressourcen angehen? Wie geht einfach lernen?
Dazu hatte nach der Eröffnung der Tagung durch Landrat Jens Grote Hauptredner Peter Fratton aus der Schweiz eine sehr einfache Antwort: Es passiert, ohne, dass etwas dazu getan werden muss. Fratton, der in der Schweiz die „Häuser des Lernens“ gegründet hat und auch in Deutschland viele Verwaltungen und Schulen berät, ging in seinem Vortrag wortwörtlich bis zum Urschleim zurück. Denn der Urschleim und der Mensch heute haben eins gemeinsam: Sie wollen lernen und sie lernen, jederzeit. Seine Annahme: Der Mensch lerne immer, genauso wie er atme. Diese Annahme sowie die Thesen, dass man junge Menschen nicht erziehen (sondern begleiten), ihnen nichts beibringen (sondern sie teilhaben lassen solle), ihnen nichts erklären (sondern ihnen Zeit geben solle zum erfahren) und sie nicht motivieren solle (sondern sich selbst) formulierte Fratton bereits 1980. In seinen Häusern des Lernens gibt es keine klassischen Klassenzimmer, sondern die Schüler*innen haben eigene Lernplätze oder können auch gemütlich auf dem Fußboden lernen. Lehrkräfte heißen Lernbegleiter*innen, Schüler*innen sind Lernpartner*innen. Natürlich hatte Peter Fratton auch mit Widerständen zu kämpfen. Aber seine Antwort darauf: “Man muss ins Gelingen verliebt sein. Dann hat man immer eine Idee.“
Regionale Spezialitäten
Dass es auch im Heidekreis schon viele Ideen gibt, konnten die Schulleitungen bei den sogenannten „Regionalen Spezialitäten“ erfahren. Hier stellten fünf Heidekreis-Schulen vor, was sie schon heute anders machen. Die Grundschule Buchholz/Aller zeigte ihr gesamtes Portfolio als Zukunftsschule, an der OBS Hodenhagen wird seit vergangenem Schuljahr schon in offenen Lernsettings gearbeitet, in der Lieth-Schule in Bad Fallingbostel bringt das FiSch-Projekt Eltern, Lehrkräfte und Kinder näher zusammen. Das Gymnasium Munster stellte vor, wie es in den Klassen fünf und sechs nach dem Churer Modell (ebenfalls eine Idee aus der Schweiz) arbeitet und die BBS Soltau zeigte ihr vor drei Jahren eingeführtes Modell einer Schülerfirma, um junge Kaufleute auszubilden.
Am zweiten Tag blickten die Teilnehmenden schließlich über den Tellerrand: In vier Workshops gab es Einblicke nach Hamburg, Potsdam, Hannover und nochmals in die Schweiz mit Peter Fratton. Schulleiterin Bianca Thies aus Hamburg tanzte zu Beginn ihres Workshops und erklärte unter anderem, wie wichtig es sei, dass man für sich selbst immer einen Ausgleich im Schulalltag finde. Ihr sei bewusst, dass sie nicht alle Probleme lösen könne. Deswegen werde sie kreativ. Um ihre Stadtteilschule zu leiten, greift sie auf Management-Lehre zurück und sitzt in ihrem Büro immer auf dem Fußboden. „Das ist gleich eine andere Gesprächs-Atmosphäre, wenn Schüler*innen reinkommen“, erklärt sie. Bei Professor Dr. Giera aus Potsdam, die eigentlich aus Soltau kommt, lernten die Teilnehmenden, dass Theater spielen die Lesekompetenz fördern und gegen Mobbing helfen kann. Und Alexandra Vanin, Schulleiterin aus Hannover beschäftigte sich damit, wie das personalisierte Lernen eine schulische Entwicklungsaufgabe werden könnte und was dafür notwendig wäre.