...oder vom Wollen zum Müssen
Nur noch kurz die Welt retten? Cornelia von Zengen arbeitet seit Juli 2025 beim Landkreis Heidekreis in der Stabsstelle Wirtschaftsförderung und Klimaschutz als Klimakoordinatorin. Ein kurzes Gespräch über Wünschenswertes und Mögliches.
Tina Rühlmann: Was macht eine Klimakoordinatorin?
Cornelia von Zengen: Klimakoordinatoren sind neue Stellen, die durch das niedersächsische Klimaschutzgesetz in allen Landkreisen geschaffen wurden. Und diese Stellen haben die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Landkreis-Verwaltungen bis 2040 treibhausgasneutral werden. Das heißt, unser Job ist erst einmal zu gucken: Was sind die Treibhausgas-Emissionen und dann daraus Maßnahmen abzuleiten, um diese zu senken. Die Umsetzung erfolgt dann gemeinsam mit den jeweiligen Fachämtern. Meine Aufgabe liegt dann in der Maßnahmensteuerung und Überwachung.
Tina Rühlmann: Hast Du schon eine Übersicht, wer wo wieviel verbraucht?
Cornelia von Zengen: Ja, denn als ich angefangen habe, gab es bereits ein beschlossenes Klimaschutzkonzept. Darin war eine Treibhausgasbilanz der Verwaltung enthalten. Daraus geht hervor, dass 92 % unserer Emissionen aus dem Bereich der kreiseigenen Gebäude herrühren und hier zu einem Großteil aus der Wärmeversorgung. Damit ist das der Hauptfokus, aber das ist dummerweise auch das, was am kostenintensivsten in der Umsetzung ist. Denn wenn man ältere Gebäude hat, dann kann man da nicht einfach eine Wärmepumpe reinstellen und dann sind die klimaneutral, sondern es sind begleitende Sanierungsmaßnahmen erforderlich. Und das ist schwierig, wenn nur wenig Geld da ist.
Tina Rühlmann: Wie gehst Du genau vor? 2040 klingt , als wäre es lange hin, aber 14 Jahre sind in diesem Zusammenhang ja eigentlich nicht viel….
Cornelia von Zengen: Tja, dieses ambitionierte Ziel bis 2040 zu erreichen, ist sehr herausfordernd. Gedanklich sollte man die Ziellinie vielleicht etwas weiter weg stecken, denn selbst mit genug Geld haben wir nicht die Handwerker und die Ressourcen, um das alles in 14 Jahren umzustellen. Auch, wenn ich ein neues Gebäude baue, dann ist ja das alte Gebäude trotzdem noch da und produziert Treibhausgase.
Tina Rühlmann: Was sind die anderen 8 % in der Bilanz?
Cornelia von Zengen: Das verteilt sich. 4 % entfallen auf auf die Mobilität. Da ist einmal der kreiseigene Fuhrpark, aber auch die Mobilität der Mitarbeitenden. Also: Wie kommen wir selbst zur Arbeit, wie kommen wir zwischen Soltau und Bad Fallingbostel hin und her. Im ländlichen Raum klimaneutral unterwegs zu sein ist natürlich schwieriger als in den Städten, wo man einen breit gefächerten ÖPNV hat. Der ist hier einfach nicht in dem Maße vorhanden. Ich komme zum Beispiel aus einem anderen Landkreis und brauche mit öffentlichen Verkehrsmitteln zwischen zwei und vier Stunden, um über die Landkreisgrenze zu kommen. Das steht in keinem Verhältnis zu 30 Minuten mit dem Auto. Ein weiteres Thema ist die Beschaffung. Aber da ist nicht so viel Potential, da reden wir nur von 2%.
Tina Rühlmann: Wie sieht dein tägliches Arbeiten aus?
Cornelia von Zengen: Das Tagesgeschäft kann ich schwer beschreiben, weil es viele verschiedene Aufgaben sind. Gerade sind wir zum Beispiel dabei, eine neue Treibhausgasbilanz aufzustellen, weil im Sinne des Controllings regelmäßig überprüft werden muss, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Die jetzigen Daten sind von 2021. Neben der Verwaltung haben wir auch noch das kreisübergreifende Klimaschutzkonzept. Da geht es darum, dass die Emissionen im ganzen Heidekreis gesenkt werden, so weit das in unserer Macht steht oder zumindest darauf hinzuarbeiten. Ich beschäftige mich also nicht nur mit dem Monitoring der Verwaltung, sondern auch mit dem Monitoring für das gesamte Klimaschutzkonzept. Um das abzubilden, mussten wir erst einmal eine geeignete Softwarelösung finden. Außerdem bin ich in regem Austausch mit der Energieagentur. Und ich sitze ja hier in der Stabsstelle Wirtschaftsförderung und Klimaschutz. Und da geht es auch um Unternehmensnetzwerke, so dass wir auch die Transformation der Wirtschaft begleiten können.
Tina Rühlmann: Und wie geht Ihr bei den Gebäuden vor – werden zuerst die modernisiert, die am ältesten sind oder die, die am einfachsten zu modernisieren sind? Oder die, die noch ins Budget passen?
Cornelia von Zengen: Wir arbeiten derzeit an einer guten Strategie. Treibhausgase zu reduzieren ist ein wichtiges, aber eben nicht das einzige Entscheidungskriterium für Sanierungs- und Bauarbeiten. Am Beispiel der Heizungen: In einer idealen Welt würde man die Heizungen alle nach einem Plan und mit fortschreitendem Alter tauschen. In der realen Welt ist aber jetzt eine Heizung kaputt und muss ausgetauscht werden. Und dann kann ich ja nicht sagen: Dieses Gebäude ist aber noch nicht dran. Nicht warm ist ja keine Alternative.
Tina Rühlmann: Hast Du auch mit dem Thema Nachhaltigkeitsstrategie zu tun?
Cornelia von Zengen: Ja, da gibt es eine Maßnahme im Klimaschutzkonzept, die regelmäßige Erstellung eines Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsberichts. Da geht es auch darum zu zeigen, was wir machen und auch, wo wir uns vielleicht noch weiter entwickeln können.
Tina Rühlmann: Achtest Du privat auf Dein Verhalten dem Klima gegenüber?
Cornelia von Zengen: Ich beziehe Ökostrom, fahre ein Elektroauto, unser Haus ist energetisch saniert und wir heizen mit einer Wärmepumpe. Aber natürlich bin ich auch nicht heilig und steige noch ins Flugzeug. Auch den Konsum nur regional zu gestalten fällt mir im Winter wirklich schwer. Generell glaube ich, dass man die Verantwortung für den Klimawandel nicht auf die Privatpersonen abschieben sollte. Bei den großen Drehschrauben, wie zum Beispiel der Energiewende, kann ich persönlich sicher wenig bewegen. Das entbindet mich aber nicht von meiner Verantwortung, das zu tun, was in meinen Möglichkeiten liegt. Natürlich kann ich mit meinem persönlichen CO2-Abdruck nicht die Welt retten. Aber ich glaube an die politische Signalwirkung von Konsumverhalten. Und da haben wir alle im Rahmen unserer jeweiligen Möglichkeiten mit unseren täglichen Entscheidungen durchaus einen Einfluss. Aber das muss wiederum jeder mit sich ausmachen. Ich gehe hier nicht herum, mache überall das Licht aus und belehre meine Kollegen. Das ist nicht mein Job!